RIIKO SAKKINEN

CONSOMMATEUR, APPLAUDIS, LE SPECTACLE EST PARTOUT!

02.05. - 07.06.2008


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Seit mehreren Jahren stellt Riiko Sakkinen an vielen Orten der Welt aus. Ob in New York, Helsinki, in Austin, Madrid oder Paris – er entlarvt unsere Welt, verspottet und attackiert sie mit Humor und Bosheit. Dabei macht er sich die Ästhetik der Werbung zunutze, meidet jedoch deren Methoden der Verführung. So finden wir uns mit einem Mal in einem Schrecken erregenden als auch faszinierenden Universum wieder, das aus einer unerwarteten Paarung der paradiesischen Werbewelt mit dem schneidendsten Zynismus geboren ist. 
Riiko Sakkinens Installation in der Galerie Bourouina bietet aber auch eine ergötzliche und bissige Betrachtung anlässlich des 40. Jahrestags der Ereignisse vom Mai 1968. 
Die breit angelegte Eigenwerbung der 68er-Generation, die ihre Repräsentanten höchstselbst mit einer Flut von Artikeln, in unzähligen Radiosendungen, Büchern, Fernsehshows oder von Großkonzernen gesponserten Ausstellungen betreiben, hat mit dem Geist vom Mai 68 nichts mehr zu tun. Aus den Achtundsechzigern wurden “Kaviar-Linke”, die gewahr werden, dass ihre Schläfen ergrauen und nun in ihren vergilbten Erinnerungsalben blättern. Mitterand hatte Unrecht, als er in der Masse der Demonstranten, die einst durch das Pariser Quartier Latin zogen, ganze Pulks künftiger Notare sah, denn da liefen künftige Minister und Pressechefs…Die Revolutionäre von gestern haben sich der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung, die sie mit ihren Slogans von ’68 verdammten, längst angepasst. Während sich das Recht auf ein “hemmungsloses Ausleben der Lust” inzwischen Bahn gebrochen hat, so scheint die “Gesellschaft des Spektakels”* den Idealismus von Parolen wie “Nieder mit der Konsumgesellschaft” oder “Seid Realisten, fordert das Unmögliche” heute endgültig zu Grabe getragen zu haben. Von Riiko Sakkinen verzerrt und zerlegt, werden jene alten Slogans zu plärrenden Losungen des Geistes vom Mai 2008.

* 1967 veröffentlichte Guy Debord, Gründungsvater des Situationismus, einen Essay mit dem Titel Die Gesellschaft des Spektakels, der einer der Grundlagentexte der 68er-Bewegung wurde.

Riiko Sakkinen makes exhibitions all around the globe. From New York to Helsinki, via Austin, Madrid and Paris he uses satire and perverts the aesthetic of publicity to humourously criticize our society. We navigate in a horrifying and fascinating world, born from the unexpected breeding of a commercial paradise and an acidic cynicism. 
Riiko Sakkinens installation at Bourouina gallery presents a stinging and witty look at the fourtiest birthday of the student revolt of 68. The large self-promoting media exposure of the ’68 generation’, shown through an abundance of articles, books, radio and television shows or corporate sponsored exhibitions, seems far off the ‘spirit of May’. The veterans of 68 became the ‘caviar leftists’. They realize that their hair is turning grey, skimming through their old photographic albums with nostalgia. Mitterrand was wrong when he described the revolting students as ‘future notarians’, when indeed future politicians and future press barons were rioting. 
Yesterdays revoltionaries adjusted themselves to the social and economic order they used to condemn in their ’68’ slogans. If the slogan ‘unfettered pleasure’ had a long lasting success, the more idealistic ‘no more consumers society’ or ‘be realistic, ask for the impossible’ seem nowadays totally outdated by Guy Debord’s “Entertainment Society”*. Broken up and distorded by Riiko Sakkinen, these old slogans become the wry mantras of the spirit of May 2008.

*In 1967, Guy Debord, founder of the situationist movement published “The Entertainment Society”, an essay that became a reference of the ‘may 68’ student revolt.