MICHAEL BIBER / MIRKO TSCHAUNER

TISCH & TAFEL

06.02 - 13.03.2010


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TISCH & TAFEL

Die Bourouina Gallery freut sich sehr, mit der Ausstellung Tisch & Tafel erstmals die Arbeiten von Michael Biber und Mirko Tschauner in Berlin zeigen zu dürfen.
Michael Bibers Werke sind aus minimalistischen Elementen aufgebaut: Rechtecke, Dreiecke, Kreise. Seine Arbeiten spielen mit dem Verhältnis von Positiv und Negativ, Tiefe und Fläche, der Verortung von Objekten im Bildraum. Statt Harmonie bestimmt Asymmetrie, mit dem Ziel einer eigenen Rhythmusfindung. Die Vorgehensweise gleicht dabei einer permanenten Versuchsanordnung. Struktur bildet den Zusammenhalt: Auf nackter Aluminiumplatte treffen sich Schleifspuren, Abdrücke, sowie digitale Muster, die mit Reißen, Schneiden und Kleben in die klassische Collageform gebracht werden. Die fragilen Arrangements besitzen einen Hang zum „Anecken“: Kompositionen, die über den Träger gehen, die scheinbar hervorstehen, aufgesetzt sind, mit dem Rand spielen. Wie sich die Kompositionen im Raum halten ist die konstante Problemstellung. Dies bringt das Verstörende in Biber Arbeiten. Sich ehemals ausschließende Bereiche vereinen und überlagern sich plötzlich: Gegenständlichkeit und Abstraktion, Fiktion und Dokumentation.
Mirko Tschauners Skulpturen sind statische Materialzusammenstellungen. Ihre reduzierte Farbigkeit resultiert aus den verwendeten Materialien: Waschbeton, Naturstein, oder Stahl. Diese werden zu einfachen geometrischen Formen geschnitten oder gegossen. Die Zusammenführung entsteht durch einfache Kompositionsmethoden wie Spiegelung, Drehung, Kippen und Schichtung. Die Skulpturen scheinen von der eigentlichen Schwere der Materialien befreit: Tschauners tonnenschweren Gebilde annektieren den Raum mit einer rätselhaften und auch beunruhigenden Leichtigkeit. Diese Spannungsmomente – steht etwas auf der Kippe, drückt es, fällt es – bringen eine angehaltene Dynamik in die Werke. Die Materialien der Skulpturen sind allgegenwärtig, ohne jedoch richtig wahrgenommen zu werden: Sie begegnen in Fassaden, Laternenmasten oder Treppenhäusern. Aus dem architektonisch funktionalen Kontext gelöst, blitzt das flüchtig Wahrgenommene in Tschauners Arbeiten als Fragment neu auf und macht seine Werke zu Erinnerungsstücken an das urbane Alltägliche.
Die formell ähnlichen Ansätze der beiden Künstler offenbaren sich in ihrem Zusammenspiel: Beide suchen nach dem Konkreten im Abstrakten. Sie bilden nicht ab, sie illustrieren nicht. Und doch gibt es einen Realismus: Den des Materials. Ihre Werkstoffe sind Industriematerialien. Farbe, Form und Materialität entstammen der Fabrikation, was den automatisierten Moment, den Funken Zufall, in ihren Arbeiten zum Ausdruck bringt. Charakteristisch für die Oberflächen ihrer Werke ist das „Verrücktsein“: Die realen Oberflächen werden verschoben – verrückt – und mit ihnen auch ihr bekanntes Dasein.

TISCH & TAFEL

The Bourouina Gallery is pleased to show with Tisch & Tafel (table & board) the works of Michael Biber and Mirko Tschauner for the first time in Berlin.
The paintings of Michael Biber are composed of basic forms: rectangles, triangles, circles. They play with relations, the positive and the negative, depth and plane and the positioning of objects in the pictoral space. Asymmetry, rhythm and various fragments emerge in place of harmony. The kind of approach equals a permanent test arrangement. Structure adds up to the coherence: on naked aluminium panels meet stress marks, imprints and digital patterns that are brought into the classical form of the collage by ripping, cutting and glueing. These fragile compositions tend to rub: they rise over the rack, seem to stick out, are attached and play with the boundary. The recurrant question is how the arrangements position themselves in the pictoral space. This is what brings in the disturbing quality in Biber’s work. Formerly alternative categories suddenly meld and overlie: concreteness and abstraction, fiction and documentation.
The sculptures of Mirko Tschauner are static material-compositions. Their reduced chromaticity is a result of the materials used: concrete, natural stone or steel. These matters are cut or cast into basic geometric forms. Their assembly results from simple composition methods such as mirroring, twisting, tilting and layering. The sculptures seem to be freed of their actual weight. The heavy-weight formations annex the room with a mysterious and omnious lightness. This tention – is the sculpture stable, in balance or will it fall ? – brings in the feeling of a sudden stopped dynamic into his works. The materials of Mirko Tschauners sculptures are omnipresent, though unrecognized as facades, lamppost or staircases. Detached from their architectural and functional context, the glimpsed perceived flashes up in Tschauners sculptures as fragments. Hereby his works become memory fragments of urban everyday life.
The artists approaches are formally alike and reveal themselves in their interplay: Both search for concreteness in abstraction. Their art does neither describe, nor illustrate. Still one can see realism in their works: material realism. Their materials are of industrial source. Color, form and materiality originate from fabrication which brings in an automated moment, a spark of coincidence. The final works are characterized by a certain displacement: The real surfaces are shifted – displaced – and with them their original beeing.