BART DOMBURG

CAPITAL

10.01. - 07.02.2009


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Als Bart Domburg 1998 nach Berlin zog, nahm die Ortsveränderung großen Einfluss auf seine Bildthemen. An die Stelle von Portraits von Menschen rückten Portraits von berühmten Orten. Vor allem die geschichtsträchtigen Berliner Orte weckten Domburgs Interesse, regten ihn zu zahlreichen Besuchen und Fotoskizzen an und wurden zum zentralen Thema seiner figurativen Ölbilder. Trotz der nahezu veristischen Malweise wird keineswegs Transparenz angestrebt. Diese Orte – das Schloss Cecilienhof als Tagungsort der Potsdamer Konferenz oder der Jüdische Friedhof in Berlin-Weißensee – haben alle etwas zu verbergen. Auf Bart Domburgs Gemälden werden meist die Parks und Gartenanlagen fokussiert, also wenig mehr als Wiesen, Wasser, Bäume und Äste. Und doch verraten nicht erst Titel wie Berlin, Garten, Haus der Wannseekonferenz, dass es sich bei dem Blick in einen herbstlichen Park, mit kahlen Bäumen und einem sandfarbenen Gebäude – unspezifischer können Orte kaum markiert sein – auf keinen Fall um irgendeinen Ort handelt. Domburgs Berliner Ansichten mit ihren unheilschwangeren, verhangenen Himmeln sind aufgeladen: historisch, politisch, persönlich und symbolisch. So sehr, dass auch in den Außenräumen die Luft schwer wirkt.
Wenn sich Bart Domburg im Anschluss Orten zuwendet, die ganz im Gegenteil ein Irgendwo darstellen, verfolgt er konsequent seine Interessen weiter. In noch konzentrierteren Ausschnitten wird die Sicht in einen noch verdichteteren Wald auf Taschenlampenradius beschränkt. Zwei verspiegelte Fenster, zwei leere Betten, Vorhänge. In diesen Darstellungen, die auch als innere Bilder zu lesen sind, sind alle schon weg, versteckt oder nie da gewesen. Als Betrachter bleibt man ausgeschlossen, nicht mehr nur aus der Historie sondern auch aus der Zeitlosigkeit. Der Blick ist beschränkt und beschnitten, blitzt ab und fällt ins Leere.
In Bart Domburgs jüngsten Arbeiten, die unter dem Titel Capital ab dem 10. Januar 2009 in der Galerie Bourouina zu sehen sind, findet eine Engführung der bisherigen Leitmotive statt. Gleichzeitig treten ganz neue Aspekte hervor. Seit einigen Jahren konzentriert sich Bart Domburg ausschließlich auf Fassaden und dekliniert dieses Thema durch, ähnlich wie er zuvor mit Nahaufnahmen und Vergrößerungen die Grenzen seiner Portraits von Menschen und Orten ausgelotet hat. Die Fassade als Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichkeit bleibt als Sujet stets erkennbar, reibt sich jedoch permanent an der Auflösung in Abstraktion. Wohnblockfassaden mit klaren Fensterreihen stehen neben Farbrastern, die zwischen verspiegelten Fronten von Bürotürmen und reinen Farbfeldern changieren. Das vielfach gebrochene Licht orientiert sich in seinen zarten Farbverläufen an Spiegelungen, die ein Gegenüber andeuten ohne es wirklich sichtbar zu machen. Die schillernden Lichteffekte wirken dabei sehr verführerisch. Gleichzeitig verweigern sich jedoch die Bildbegrenzungen als Orientierung für Horizontalen und Vertikalen und lassen die Fensterreihen aus der Achse gleiten. Durch Kanten und Nähte, die Plastizität nur noch missverständlich andeuten, wird die Desorientierung akut. Während sich diese Orte, geknickt und gefaltet, unbemerkt in Material verwandeln.

Bart Domburg’s move from Amsterdam to Berlin in 1998 had a decisive influence on the themes of his paintings. Instead of portraying people he started painting portraits of places. Especially Berlin’s history-charged places inspired him to many visits and photo-sketches and finally became the central subject of his figurative oil-paintings. Despite an almost veristic painting technique transparency is never intended. These places – Cecilia Court Palace, where the Potsdam Conference took place, or the Jewish cemetery in Berlin-Weissensee – all have a hidden history. Bart Domburg’s paintings mostly focus on parks and gardens, they show scarcely more than meadows, water, trees and branches. However the titles like Berlin, garden, house of the Wannseeconference, suggest that it’s not only about some views of a park in autumn, with bare trees and sandstone-coloured buildings. Domburgs views of Berlin with their direful, dull skies are charged with historical, political, personal and symbolic meaning. To such an extend, that even in the outside the air seems heavy.
When Bart Domburg finally focuses on places, which are on the contrary somewhere, he consequently pursues his interests. In concentrated details, the view into an even more condensed forest is limited to the radius of a torch. Two reflecting windows, two empty beds, curtains. In these representations, also legible as inner pictures, everyone is already gone, hidden or has never been there. The viewer keeps on being barred – not only from the history, but also from the timelessness. The gaze is limited and restricted, brushes off and meets emptiness.
In Bart Domburg’s most recent works, which Bourouina Gallery shows under the title Capital from the 10th of January 2008, a linking of his previous leitmotifs becomes apparent. At the same time new aspects emerge. Since a few years Bart Domburg exclusively concentrates on facades and studies every aspect of this theme – similar to how he before fathomed the limits of his portraits of people and places by experimenting with close-ups and blow-ups. The facade as the interface between privacy and the outside world always stays recognisable as the subject, whereas it always borders on abstraction. Facades of apartment buildings with a row of windows are juxtaposed to colour screens, oscillating between reflecting fronts of office towers and pure colour fields. The multiply refracted light suggests something being opposite, without actually making it apparent. The dazzling lighting effects are very seductive. At the same time the limits of the paintings refuse to give any orientation for horizontals and verticals and let the rows of windows slide off the axis. Through edges and fissures, which only mistakably suggest plasticity, the viewer stays behind disoriented. While these places, bend and folded, become materialised.