Marie Rief

A far shot

Extented until January 21th, 2017


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Wir freuen uns sehr, die zweite Soloausstellung der Berliner Künstlerin Marie Rief zu präsentieren. Nach ihren Zeichnungen ist es nun ein Foto, das sie manipuliert hat, um ihre atemberaubenden Photogramme zu kreieren.

Die sandig karge Szenerie, der ferne scharf abgetrennte Horizont, düstere Lichtstimmungen rufen Bilder von Wüste, Steppe, einem geöffneten Raum, der sich übermächtig in seiner Weite entgegenstellt, hervor. Die Assoziation mit szenischen Filmbildern, archetypischen Landschaften der Reflexion in Malerei und Fotografie drängt herauf.

Der Raum, in denen die Gedanken freien Lauf erhalten, wird in den Arbeiten jedes mal aufs neue verhandelt: wie auf einer Bühne wird das Licht justiert, neue Elemente schneiden den Raum oder lassen ihn gar verschwinden und tauschen ihn durch aufgebrochene Ebenen. Der schnurgerade Horizont kann über den eingeschränkten Blick nicht  hinwegtäuschen. Die Fläche der wüstenartigen Weite gibt den Blick ungehindert auf ihre Entstehung frei, auf  ihre Absonderung aus der eigentlichen Landschaft heraus durch Vergrößerung und Beschneiden. Obschon der Makrokosmos zum Rückzugsort ins Detail wird, sucht der Blick zugleich die weite Kante der vermeintlichen Horizontlinie ab. Dort trifft er auf Hinweise aus Überlappung und Verfärbung, einer Härte und Brüchigkeit.
Mal verharrt die Landschaft, dann wieder wird sie aufgebrochen, bis von der Zusammengehörigkeit von Erde und Himmel buchstäblich nichts mehr übrig bleibt.

Die Landschaften sind Zusammensetzungen, nicht nur offensichtlich ablesbar an den Spuren des erneuten Zusammenfügens, an ihrer Struktur, in Brüchen, der Trennung durch flächige Farbigkeit, die ein oben und unten gegeneinander abgrenzt. Auch die landschaftsfläche selbst ist erst aufgebrochen, dann wieder verfugt. Sie formt eine kachelartige Struktur, die die simplifizierte Arbeit im Umgang mit den fotografischen Materialien sinnlich vereinnahmt.

Die Landschaft wird einmal mehr kultiviert, immer noch händisch: ein Ausschnitt wird gewählt, er wird beschnitten, vergrößert, eingefärbt, komponiert. Wieder einmal ist die Landschaft der Arbeit an ihr unterworfen, sie  wird geschaffen um wie alle Kulturlandschaften einen Zweck zu erfüllen. Sie wird zum Ort gemacht für Erwartungen und für unsere emotionale Aufreibung urbar gemacht.

Der herausgelöste Ort soll obgleich seiner Entfremdung die Verortung für das übernehmen, was weder klar, noch obskur mit Worten beschreibbar ist und lässt so das bekannte Gefühl der Entferntheit und Ohnmacht aufsteigen, das den Menschen jeher dazu bewegt hat, Landschaft Eigenschaften und Aufgeladenheit zuzusprechen.

We are glad to present Marie Rief’s latest works in her second solo-exhibition. After her  drawings, it is now one photograph that she has manipulated to create her stunning photograms.

The sandy barren scenery, the distant and sharp horizon and the gloomy lighting evoke pictures of deserts and steppes, an open space where the upper and the lower are apparently mightily opposed. The association with film sceneries, archetypal landscapes in painting and photography arise immediately.

The same space in which the thoughts run free will be anew treated for each work: the light is adjusted, new elements intersect the space or let it disappear and replace it by broken planes. The straight horizon cannot hide the restricted view. The surface of the desert-like width shows clearly how it was produced, how it differs from the original landscape through enlargement and cropping. Even though the macrocosm leads to concentrate on details, the look is driven to search for the wide edge of the horizon line, discovering indications of overlapping and coloration, some hardness and fragility.

In some works the landscape remains, in others it withdraws again, until there is literally nothing left from the togetherness of earth and sky. The landscape is an artistic composition, not only revealed by the traces of re-assembling, by their structure made of breaks, by a color patch splitting it horizontally: the landscape itself is broken, then again jointed. It forms a tile-like structure that results from a sensitive and pragmatic approach in dealing with the photographic materials.

The landscape is once again worked on, still by hand: a section is chosen, it is cropped, enlarged, colorized, composed. Once again, the landscape is submitted to the work, it is created to fulfill a purpose just like all cultural landscapes. The landscape becomes the place of our expectations, a field to clear and cultivate, in which we sow our troubles, experiences and thoughts to transcend our emotional harassment.

The vanishing place, though its alienation, is supposed to take over the position for what is difficult to describe as clear or obscure, and which raises the well-known feeling of distantness and weakness that has always led people to attribute qualities and symbolic charge to the landscape.